Klimakiller Kind !?

Plastikfasten, aufs Fahrrad schwingen, Ökostrom, regional und saisonal kochen … es gibt eine Menge Möglichkeiten, etwas für die Umwelt zu tun. Reicht aber alles nicht, sagt Verena Brunschweiger und fordert in ihrem aktuellen Buch „Kinderfrei statt kinderlos – ein Manifest“, dass auf Kinder künftig der Umwelt zu liebe verzichtet werden soll.

Neben der persönlichen Motivation gibt es eine ökologische Komponente. Ein Kind ist das Schlimmste, was man der Umwelt antun kann. Jedes nicht in die Welt gesetzte Kind bedeutet eine CO2-Einsparung von rund 50 Tonnen im Jahr.“1

Natürlich polarisiert diese These und in vielen vielen Interviews haut die gute Frau auch fröhlich polemische Sprüche raus, die die Stimmung weiter anheizen. Kaum zu überlesen, dass ich anderer Meinung bin. Möglicherweise, weil ich ein Kind habe; aber ich gehe stark davon aus, dass mein Menschenbild einfach grundlegend anders ist. Um es vorweg zu nehmen, ich schreibe hier keine Rezension über das Buch, denn: ich habe es nicht gelesen. Die Bibliotheken hier vor Ort haben es nicht und nach einer Menge Artikel und Interviews mit ihr habe ich den Eindruck, dass ich nach drei Seiten schreien, den Grill anzünden und…

Ok Stopp. Jetzt erstmal ganz sachlich. Woher kommt diese Motivation ein Buch zu schreiben und ihm den Untertitel „ein Manifest“ zu geben? Frau Brunschweiger, beruflich als Lehrerin an einem Regensburger Gymnasium tätig, bezeichnet sich selbst als linke ökologische Radikalfeministin und behauptet nebenbei, dass man dies nur von sich sagen könne, wenn man keine Kinder habe. Und: Frau Brunschweiger ist sauer. Ständig wurden andere Kolleg_innen mit Kindern vor ihr an die begehrten Schulen versetzt, sie musste bereits einmal in eine neue Wohnung umziehen, weil über ihr eine Familie mit unerzogenen Kindern wohnte, die zu laut spielten und sowieso musste sie sich ständig von wildfremden Leuten die Frage stellen lassen, warum sie denn noch keine Kinder habe und außerdem verdränge Deutschland das Problem mit der zu hohen Bevölkerungszahl. Da musste sie also wohl in den sauren Apfel beißen und ein Buch schreiben. Mist. Sie selbst hat sich nach eigener Aussage mit ihrem Mann aufgrund einer kanadischen Studie entschieden, keine Kinder zu bekommen. Besagte Studie beziffert den CO2-Ausstoß eines Kindes auf 58 Tonnen pro Jahr, eine Größe die anders kaum einzusparen sei. Soweit die Fakten, wobei die Studie auch von Wissenschaftlern aufgrund der Methodik kritisiert wurde, aber das gehört wohl dazu. Klar ist, Kinder haben einen hohen CO2- Fußabdruck, wie Erwachsene übrigens zuweilen auch. Aber kann der Umweltschutz einen solchen Schritt rechtfertigen? Ja, würde ich sagen, für den einzelnen mag das plausibel sein, das von einer Gesellschaft zu fordern und als einzig richtige feministische Entscheidung darzustellen nicht. Grundsätzlich stimme ich zu, dass niemand das „Kinderkriegen“ als Pflicht oder unbedingte Lebensaufgabe indoktriniert werden sollte, ich finde aber statt das eine oder andere als das Falsche zu bekämpfen, sollten wir irgendwann (oder besser schnell), dazu kommen, dass verschiedene Lebensstile und -entwürfe in unserer Gesellschaft unkommentiert akzeptiert werden. Einfach so.

Mein Hauptkritikpunkt an ihren Aussagen ist aber ein anderer. Ein Kind ist nicht hauptsächlich ein Umweltsünder, wie sie Kinder benennt, sondern aus meiner Sicht hauptsächlich ein Kind. Ein Wunder, ein Geschenk Gottes, ein Ebenbild Gottes. Punkt. Warum fällt mir an dieser Stelle das Lied „Du bist du“ mit der Liedzeile „…du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu…“ ein. (Mist: christliche Sozialisation). Wie auch immer. An dieser Stelle kommt man zumindest an einen interessanten Punkt. Wie weit kann aus christlicher Sicht der Umweltschutz gehen? Für mich persönlich jedenfalls endet Umweltschutz da, wo Menschen plötzlich weniger wert scheinen als der (natürlich lobenswerte) Kampf gegen die Umweltzerstörung und dafür alle Mittel recht sind. Ich habe den festen Glauben, dass Gott es gut mit uns meint und die Hoffnung, dass Leben auch noch einige Zeit auf diesem Planeten möglich ist und falls nicht, dass wir uns zumindest im Paradies keine Sorgen um die Umwelt zu machen brauchen.

Ein anderer Aspekt mit dem ich meine Probleme habe, ist der Vorwurf, dass es zutiefst egoistisch sei, Kinder zu bekommen. Kann es nicht genauso egoistisch sein, keine Kinder zu bekommen, weil dies mit mehr Zeit, Geld, Flexibilität und höheren Chancen auf eine Karriere einhergehen kann? Und ist es nicht auch sinnvoll, das was man tut, aus eigener Überzeugung zu tun und mit der Vorstellung, dass man Freude an der Aufgabe haben könnte? Wo fängt Egoismus denn an? Ich fühle mich zumindest derzeit nach diversen schlafarmen Nächten nicht besonders egoistisch in der Entscheidung für ein Kind. Und ganz nebenbei auch nicht wenn das Kind glücklich staunend die Welt entdeckt und ich dabei sein darf. Dann empfinde ich das als Glück, als Teil meines Lebens das inzwischen einen neuen Fokus hat (und der bin nicht ich). Frau Brunschweiger würde mich an dieser Stelle vermutlich als Mombie2 bezeichnen (Mütter die (zu) fokussiert auf ihre Kinder sind- Mütter-Zombies) herrliches Wort! Danke Verena, solche Exemplare treffe ich bestimmt demnächst auf dem Spielplatz, dann hab ich endlich einen Namen für sie!

Außerdem führt Brunschweiger weiter aus, was sie an der Entscheidung für egoistisch hält: „Im Jahr 2019 finde ich es nicht mehr verantwortungsvoll, Kinder in die Welt zu setzen. Der “Guardian” schrieb gerade, dass wir 2040 große Ressourcenkämpfe und soziale Unruhen haben werden. Mein Kind wäre da 21. Das kann ich vor meinem Gewissen nicht verantworten. Ich bin überrascht, dass das andere Leute scheinbar problemlos können. Das darf ich schon egoistisch nennen.“3

Natürlich darfst du das so nennen, äh Sie Frau Brunschweiger, schließlich bin ich absolut für die Meinungsfreiheit, aber ich halte das für totalen Quark (das darf ich dann auch so sagen).

Denn auch hier ist es meine Zuversicht und mein Glaube an Gottes Gnade und seinen Plan mit den Menschen, der mich völlig unverständlich vor ihrer Aussage stehen lässt. Klar kann man Angst bekommen angesichts der weltweiten Bedrohung von Frieden und Wohlstand, von Umweltkatastrophen und skurrilen Despoten, aber an dieser Stelle passt für mich ein Vers aus Johannes 16,33 sehr gut: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

Als letzten Punkt will ich auf ihren feministischen Kritikpunkt eingehen. Brunschweiger führt dazu unter anderem im folgenden Zitat aus, warum Kinderkriegen für sie, unabhängig vom Umweltschutz, mit dem Feminismus nicht vereinbar ist :„Ich kenne tatsächlich solche sogenannten „Nur-Hausfrauen“, die in völliger Abhängigkeit von ihrem Mann leben, die nur für Wäsche und Haushalt und Kinder zuständig sind und für nichts sonst – und die in fünf Jahren nicht einmal gelacht haben. Das finde ich schon krass, wie man sich so entscheiden mag – angeblich freiwillig.“4

Gut, Frau Brunschweiger kommt aus Bayern … wie da die Uhren ticken ist mir auch manchmal rätselhaft. Aber ganz im Ernst. Erstens ist es heute für viele Familien kaum noch möglich, dass nur ein Elternteil arbeitet, die Vollzeit-Hausfrau ist also längst nicht mehr die Mehrheit. Zweitens ist es anmaßend anzunehmen, dass jemand nach ihren Arbeits- und Freizeitvorstellungen glücklicher wäre als mit Haushalt und Kind. Und drittens glaubt Brunschweiger tatsächlich, dass sie in ihrem Lehrerberuf mehr lacht als manche Mütter? Es gibt so unfassbar viele lustige Momente mit Kindern, die selbst im Durchschnitt 400 Mal am Tag lachen, wogegen Erwachsene dies durchschnittlich 17,5 mal tun. Unvorstellbar, dass Mütter da nicht hin und wieder mitlachen müssen. Und viertens zum Thema Freiwilligkeit, nein sorry das ist so stumpf, da kann man doch gar nicht darauf eingehen. Wo lebt die Gute denn? Nein ernsthaft: Vermutlich gibt es Familien und Frauen und Männer die sich von den Erwartungen und Vorstellungen ihrer Umgebung von Familie oder einem Mann in ein Korsett zwingen lassen. Manche geraten sicher auch unter Druck alle Erwartungen zu erfüllen, aber wenn es einem nicht gelingt, sich davon zu befreien, spielt ein Kind doch nur eine untergeordnete Rolle, da geht es doch um ganze Lebensentwürfe und Verhaltensweisen. Ich glaube eine freie, nicht unter Druck entstandene Entscheidung sowohl für als gegen ein Kind kann feministisch sein.

Nach Abschluss meiner Recherche zu diesem Thema habe ich den Eindruck, dass es der Autorin (die nach eigener Aussage großer Fan des Shitstorms ist5) vor allem um das Provozieren geht und darum ihrer Wut mal schriftlich Ausdruck zu verleihen. Natürlich so verkauft sich das Buch vermutlich besser und die vielen geführten Interviews zeigen das große mediale Interesse an ihrer These. Dass sie dabei aber derart beleidigend, polemisch und arrogant ist, finde ich eher peinlich. Sorry, aber: „Es gibt auch coole Eltern- und mit denen hänge ich dann rum“6 klingt eher nach einem spätpubertierendem Teenager als nach einer Wissenschaftlerin mit Doktortitel. Aber wer was Skurriles zum Lachen braucht, der darf sich gerne mit ihren Interviews befassen. Lesenswert zum Beispiel ein Interview in der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA).7

Ansonsten empfehle ich dreimal tief durchzuatmen, an was Schönes denken, das tolle Frühlingswetter zu genießen und so oder so: diese unfassbar dummen Thesen schnell wieder zu vergessen- schließlich lacht sich die gute Frau Doktor Brunschweiger nur weiter ins Fäustchen, wenn der Shitstorm andauert. Also: Helm auf und losgeradelt!

1https://kurier.at/leben/deutsche-autorin-kein-baby-bekommen-der-umwelt-zuliebe/400422593

2https://www.berliner-zeitung.de/ratgeber/familie/-babys-sind-umweltsuende–lehrerin-schreibt-anti-kinder-buch-und-sorgt-fuer-aufruhr-32213176

3https://www.hna.de/welt/verena-brunschweiger-darum-ist-kinderkriegen-eine-klimasuende-onl-12003442.html

4https://www.suedkurier.de/ueberregional/panorama/Die-Anti-Mutter-Lehrerin-Verena-Brunschweiger-haelt-Kinder-fuer-eine-Umweltsuende;art409965,10082224

5https://www.hna.de/welt/verena-brunschweiger-darum-ist-kinderkriegen-eine-klimasuende-onl-12003442.html

6https://www.suedkurier.de/ueberregional/panorama/Die-Anti-Mutter-Lehrerin-Verena-Brunschweiger-haelt-Kinder-fuer-eine-Umweltsuende;art409965,10082224

7https://www.hna.de/welt/verena-brunschweiger-darum-ist-kinderkriegen-eine-klimasuende-onl-12003442.html

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