Klimakiller Internet?

Der größten Energieverbaucher der Welt wäre „das Internet“, wenn man es als eigenes Land zählte. Grund genug, den Hintergründen davon auf die Spur zu gehen und nachzufragen, was man selbst tun kann, um das zu ändern:

Wie funktioniert das Internet eigentlich?
Ganz grundlegend ist es so: Man fordert mit einem Endgerät (PC, Laptop, Smartphone, SmartTV…) über eine Web-Adresse eine Homepage an (zum Beispiel indem man in der Adresszeile https://sonuetztderhelmabernix.wordpress.com eingibt).
Diverse Geräte Router, Knotenpunkte usw. lösen einerseits die Anfrage in einer klar identifizierbare maschinenverstehbare IP-Adresse auf (das ist dieses Ding mit Zahlen z.B. 127.0.0.1) und schicken dann diese Anfrage auf den Weg. Angekommen beim Server schickt dieser dann Stück für Stück die Datenpakete zurück an dein Endgerät, dort werden die einzelnen Pakete wieder zusammengesetzt und auf deinem Bildschirm baut sich eine Homepage auf.

Also haben wir Stromverbauch an verschiedensten Stellen:

  • Endgeräte (Laptop, Rechner, Tablet, Fernseher, Handy)
  • Netzwerkinfrastruktur (Router mit Modem zuhause, Leitstelle, diverse Netzwerkknotenpunkte)
  • Server (Rechenzentrum oder auch private gehostet – letztendlich nichts anderes als genauso ein Gerät wie dein Computer)

Was hat Einfluss auf den Stromverbrauch, den man selbst verändern kann?

Beim Endgerät die Dauer der Anzeige (wie lange schaue ich mir eine Homepage an), der Verbindungen (wie viele Datenpakete müssen über die Leitung geschickt werden) und genutzte Arbeitsspeicherzugriffe (sind auf der Homepage interaktive Elemente vorhanden). Die Dauer der Verbindung steht letzten Endes im Verhältnis zur Datenmenge die übermittelt wird, also zur Speichergröße der Homepage. Und das ist genau der Punkt wo man einerseits selbst als Nutzer ansetzen kann, andererseits aber die Seitenbetreiber selbst viel ändern können.

  • Nutze einen Werbeblocker (meine Empfehlung: uBlockOrigin)
  • Rufe Homepages direkt auf statt den Umweg über die Suchmaschine zu gehen. (auch Suchanfragen kosten Strom)
  • Lade Bibliotheken lokal: Viele Homepages laden von unterschiedlichsten Orten sogenannten Bibliotheken nach, damit zum Beispiel eine Gästebuchfunktion oder ähnliches funktioniert. Da diese Bibliotheken bei jedem Seitenaufruf jedes mal neu geladen werden müssen, verbraucht dies speicherplatz und somit Strom, einfacher wird es wenn man die Bibliotheken selber auf dem PC schon zur Verfügung hat, dies kann man mit der einfachen Erweiterung decentraleyes automatisch im Hintergrund von Firefox machen lassen.
  • Für Webseitenbetreiber: wenn ihr keine direkten Interaktionspunkte braucht oder die sowieso mehr über Twitter usw. laufen steigt von einem schwerfälligen datenbankbasierten Content-Managment-System (wie z.B. wordpress) auf eine statische Homepage um. Das war in den Anfangszeiten des Web sowieso Standard.

Die folgende Grafik zeigt,wie seit 2010 die Speicherplatz von Webseiten gestiegen ist:

Für Desktopseiten um 298,1% und für Mobilseiten um 1054,8%. Das zeigt, dass sehr viel Einsparung möglich ist. Für unseren Blog habe ich das auch mal testweise probiert. Man muss kein IT-Nerd sein um eine statische Webseite zu erstellen denn seit neustem gibt es auch so etwas wie Publii. Vielleicht kann ich Andy und Ali davon überzeugen umzusteigen.

Aber selbst wenn man aus Gründen, Webshop, Community, Forum etc. nicht umsteigen kann so lohnt es sich immer am Datengröße der Homepage zu arbeiten nicht nur weil es ein schnelleres Ladegefühl für die Besucher*innen der Seite bietet, sondern auch weil man auf diese Weise Strom spart ergo den CO2 Ausstoß der eigenen Seite senkt.

Für Privatnutzer*innen zuhause gilt also: generell alle Leerlaufzeiten als solche reduzieren und konservative Energieeinstellungen nutzen. Wieso muss das Handy auf Internetempfangsmodus sein solange ich nicht das Display an ist? Dies würde eben auch im Sinne von #digitaldetox mal gut tun. So alt der Spruch mit dem Lichtschalter auch ist, genaudasselbe trifft auf PC, Tablet, Handy, Laptop zu wenn ich (mehr oder weniger länger als 5min) das Zimmer/den Schreibtisch verlasse: Licht aus -> Bildschirm aus.

Die Klimabilanz unseres Blogs

Ich habe mich für unseren Blog mal hingesetzt und versucht an einer Optimierung zu arbeiten.

Analyse:
Einerseits kann man recherchieren, welche Art von Strom die wordpress.com Server beziehen: Greenwebfoundation. “Unfortunately, this website is hosted grey or we are not sure about the greenness of the hoster.” – das sieht leider nicht gut aus für uns 😦
Andererseits lässt sich ebenso recherchieren, wie viel CO2 unsere Seite verbraucht im Jahr und zusätzlich mithilfe des Speedtestes von Google Optimierungspotential der Seite herausfinden:

Da ist auf jeden Fall Potential nach oben. Zum Glück liefert mir der Google-Speedtest gleich Vorschläge mit:

Umsetzbar waren diese für mich:

  • Bildgröße auf maximal 1200 Pixel (lange Seite) reduzieren
    Bildformat: jpg bei Fotos/Grafiken – für Grafiken mit wenig Farben png mit reduzierter Farbpalette (leider werden die neueren Grafikformate webp/jpg2000 von wordpress.com und allen Browsern noch nicht unterstüzt)
  • Bildqualität: 75% reicht aus und Umstellung auf progressives jpg (der Bildaufbau wird nicht zeilenweise sondern per Auflösungssteigerung vorgenommen)
  • Überflüssige socialMedia Buttons entfernen
  • Menübuttons auf das Notwendigste reduzieren
  • Maximal acht Beiträge auf der Startseite anzeigen
  • Headerbild komprimieren

Was leider beim “kostenlosen” WordPress.com nicht möglich ist:

  • Javascript reduzieren
  • CSS Optimierungen
  • Externe Schriftarten Laden

Die Optimierung unserer Seite:

Langfristige Ideen und Vorschläge für unseren Blog, so wie generell:

  • selber hosten und dadurch bestimmen mit welchem Strom die Server betrieben werden
  • statische Website statt Datenbankbasierte (Vorteil die Seite muss nicht bei jedem Aufruf neu erstellt werden, geringerer Speicherplatz / Nachteil: Keine “interaktive Elemente” wie Diskussion Kommentare möglich / Teilen Buttonsgehen jedoch)
  • Bilder dort wo es ausreicht in Graustufen speichern / geringerem Farbraum
  • Sonntags Website abschalten. #digitalDetox 🙂

Was klingt in euren Augen sinnvoll, was übetrieben? Schickt uns gerne weiter Tipps und Anregungen.

Einen Großteil der Impulse für diesen Artikel erhielt ich aus dem Vortrag von Niklas Jordan bei der ersten Bits und Bäume Konferenz für Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

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