Fleisch tötet

Joda und sein Würstchen

Joda hat mich neulich schockiert. Er hat mir nämlich erzählt, dass er tags zuvor eine Bratwurst gegessen habe. Ich war darüber sehr irritiert, weil ich Joda immer für einen moralisch korrekten Menschen hielt, der der Umwelt und dem Klima und den Tieren zuliebe auf den Konsum von Fleischprodukten verzichtet. Joda hat mir dann aber erklärt, die Wurst komme „von unserem SoLaWi-Hof“ (SoLaWi, für alle die’s nicht kennen, steht für „Solidarische LandWirtschaft“ und funktioniert ungefähr so, dass man Anteile an einem Bauernhof erwerben kann und dafür dann von dem Essen, das man mit dem Hof so produziert, was bekommt). Das bedeutet, dass Jodas Wurst umweltschonend und tierfreundlich produziert wurde. Trotzdem fand ich es nicht so toll, und da ist mir klar geworden: Ich finde Tiere töten auch an sich – also auch, wenn man den ganzen Umwelt- und Klimakram mal außen vorlässt – sehr problematisch.

Klimakiller Fleisch

Zunächst jedoch noch ein paar Sätze darüber, wieso Fleischessen so schlecht für die Umwelt ist. Das liegt vor allem daran, dass die Fleischproduktion jede Menge CO2-Ausstoß verursacht – und zwar um einiges mehr als die Gemüseproduktion. CO2 entsteht nicht nur beim Transport der Tiere und ihrer Futtermittel, sondern auch direkt durch ihre Verdauung und Ausscheidung. Auch der Methanausstoß der Tierproduktion verstärkt den Treibhauseffekt. Darüber hinaus werden für die Tierhaltung, aber auch für den Anbau von Tiernahrung, oft große Waldflächen gerodet, wodurch dann weniger Bäume da sind, die das CO2 wieder binden können. Durch die Abholzung der Wälder verlieren andere Tiere ihren Lebensraum. Tierhaltung verbraucht darüber hinaus viele andere knappe Ressourcen wie beispielsweise Wasser. Die Tierschutzorganisation PETA hat auf ihrer Website eine kleine Übersicht zu diesem Thema.

Ein ungutes Gefühl trotz SoLaWi

Jodas Würstchen wurde lokal und umweltschonend produziert, sein Transport- und Flächenverbrauch war wahrscheinlich um ein Vielfaches kleiner als bei einer Bratwurst vom REWE. Trotzdem fand ich das Ganze, wie gesagt, immer noch nicht so gut. Denn ich habe gemerkt, dass es mir einfach nicht einleuchtet, wieso ich ein Tier töten sollen dürfte, nur damit ich es essen kann. Dass man keinen Menschen töten darf, darüber sind sich die meisten von uns einig. Bei Tieren sieht das anders aus. So hat das Bundesverwaltungsgericht letzte Woche entschieden, dass das Schreddern oder Vergasen männlicher Küken, die für die Produktion von Geflügelfleisch und Eiern wertlos sind, vorübergehend weiterhin erlaubt ist, weil der wirtschaftliche Nutzen in diesem Fall mehr wert ist als das Leben der Tiere.

Ich finde das falsch. Ich sehe nicht ein, wieso das Leben eines Tieres weniger wert sein soll als dass eines Menschen. Viele Nichtvegetarier, mit denen ich über das Thema rede, machen dann den Unterschied zwischen Menschen und Tieren stark: „Aber das sind doch Tiere, das ist doch was anderes als ein Mensch!“ Wo aber genau soll dieser Unterschied liegen? Für alles, was wir als Kriterium nehmen, Menschen von Tieren zu unterscheiden (Moral, Leistungsfähigkeit des Gehirns, Vorstellung von der Umwelt, Gang auf zwei Beinen), lassen sich immer auch Beispiele für Menschen finden, die diese Kriterien nicht erfüllen (Säuglinge, Menschen mit Behinderung, Demente). Biologisch unterscheidet den Menschen nicht so viel von anderen Tieren; anders gesagt, wie ein deutscher Komiker es einmal ausdrückte: Jedes Mal beim Metzger kann man sich glücklich schätzen, evolutionstechnisch auf dieser Seite der Theke gelandet zu sein.

Eigentlich müsste ich Veganer werden

Joda hat mich im Laufe unseres Gespräches aber auf etwas Entscheidendes hingewiesen: Wenn mir das Leben der Tiere wirklich wichtig ist, und ich auch will, dass sie ein gutes Leben haben, muss ich auch berücksichtigen, dass bei der Produktion anderer Tierprodukte, die ich als Vegetarier ja konsumiere, viel Tierleid entsteht. Joda brachte es auf die Formel: „Ovo-Lacto tötet auch!“. Das schrecklichste Beispiel hierfür dürften die oben bereits erwähnten Schredder-Küken sein. Aber auch Legehennen, die das Glück haben, nicht gleich nach der Geburt in den Schredder geworfen werden, müssen erleiden, wie ihnen mit dem Messer der Schnabel gekürzt wird. Milchkühe leben auf engem Raum, die Kälber getrennt von ihren Müttern, und werden mit speziellen Verfahren dazu gebracht, Unmengen an Milch zu geben. Alles Dinge, die man sich nicht so gerne im Detail vorstellen möchte: Schon beim Schreiben finde ich das hier alles sehr unangenehm.

Deswegen wäre die logische Konsequenz: Wenn mir die Tiere wirklich wichtig sind, muss ich auf alle Tierprodukte verzichten. Oder sie eben vom SoLaWi-Hof beziehen.

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