Unsere Entdeckungen im Hackathon #WirVsVirus

Die Corona-Krise macht kreativ: Darauf hofft zumindest die Bundesregierung, die für dieses Wochenende (20.-22.03.2020) den Hackathon #WirVsVirus ausgerufen hat. Mithilfe von professioneller Unterstützung können sich Teams an die Aufgabe gewagt, kreative digitale Lösungen für die Herausforderungen der gegenwärtigen Corona-Krise zu finden.

Über 8000 Projekte (Stand: 16 Uhr) zählt das Projekt bereits. Wir haben sie einmal durchforstet und stellen euch nun diejenigen vor, die wir am spannendsten fanden.

Spielend Corona trotzen. Andys Lieblingsideen

Beim Hackathon gab es eine Vielzahl an Teams die versucht die momentane Herausforderungen spielerisch zu bewältigen. Grob gesagt gibt es dabei zwei Ansätze: Spiele, die versuchen spielerisch nachvollziehbar zu machen, wie das Ausbreiten des Virus vor sich geht und warum die momentanen Maßnahmen so wichtig sind. Daneben Projekte, die Versuchen den sozialen Auswirkungen zu begegnen

Zu den spielerischen Ansätzen die Auswirkungen von SocialDistancing auf die Verbreitung des CoronaVirus zu verdeutlichen zählt z.B. das Spiel „CyberVampir“ (https://devpost.com/software/046_gamification_-cybervampire). Das Spiel läuft (anders als viele anderen Projekte) nicht als visuelle App, sondern ist quasi ein Hörabenteuer, das über Alexa abgespielt wird. Der Spieler schlüpft dabei in die Rolle eines CyberVampirs, der von seinem Meister in den Supermarkt geschickt wird und dabei möglichst vielen Smartphone-Lichtkegeln (dem Knoblauch des CyberVampirs) ausweichen muss. Ein bisschen abgedreht das Ganze, aber witzige Umsetzung der Maßgabe 1,5m-2m Abstand von anderen Menschen zu halten.

Einen klassicheren Spieleansatz wählt das Projekt CoronaClicker (https://devpost.com/software/corona-clicker). In dieser Idee für ein Browsergame muss der Spieler in einer Ministadt mit Corona-Infizierte heilen. Das Virus wird dabei von kleinen roten Kuppeln auf den Köpfen der Menschen dargestellt und verbreitet sich weiter- in der gut gefüllten Ministadt geht das rasend schnell. Das Spiel ist richtig simpel und kann gleichzeitig (soweit das im Trailer zu erahnen ist) sehr gut verdeutlichen, wie schnell eine Virus sich ohne entsprechende Gegenmaßnahmen weiterverbreitet. Der Spieler erleidet dabei vermutlich recht schnell die Überforderung, die auch den Gesundheitssystemen droht, wenn der Ausbruch nicht eingedämmt wird. Besonders lang wird man das Spiel nicht spielen – dazu ist es zu wenig abwechselungsreich und kreativ. Aber um Bewusstsein und Aufmerksamkeit zu schaffen macht es, glaube ich, alles richtig.

In eine ganz ähnliche Richtung geht die Idee für das Game „Coronopolis“( https://devpost.com/software/corona-minigame). Das ist so eine Mischung aus SimCity und dem vorhergenannten Spiel. Der Spieler muss in einer fiktiven Stadt mit unterschiedlichen Einrichtungen die Ausbreitung des Virus verhindern. Er muss dabei die Finanzen, die soziale Akzeptanz und die Kapazität der Kliniken im Auge behalten. Gewonnen hat der Spieler, wenn er genug Zeit herausgeschlagen hat, dass ein Impfstoff entwickelt werde kann. Das ist gleichzeitig die Stärke an dem Spiel: Er bildet die Herausforderungen und das Ziel der gegenwärtigen Situation recht genau ab. Die ersten Bilder und Videos sehen dabei auch von der Spielumgebung recht attraktiv aus, so dass ich gespannt bin, ob es das Game zur Veröffentlichung schafft.

Nun noch ein paar Games, die eher versuchen die Folgen der Coronakrise spielerisch zu bewältigen. Dabei geht es, wie schon der erste Titel „Home Adventure – die App zum zuhause bleiben“ zeigt, v.a. darum das Ausbleiben von sozialen Kontakten spielerisch zu erleichtern. Wer sich anmeldet, muss erstmal den Standort angeben, damit die Aufgaben auch wirklich von zuhause aus gelöst werden. Die Spieler*innen erhalten dann stündlich! Eine Challenge die es zu lösen gilt. Die Aufgaben bewegen sich dabei zwischen Aufräumen, Lernchallenges, Spaßigem und Bewältigung des SocialDistancing. Beispiel gefällig: „Staple 5 Tassen ohne das etwas kaputt geht“. – wohl eher eine Spaß Challenge.  Bewertet wird gegenseitig, d.h. man löst Challenges und bewertet gleichzeitig die Ergebnisse anderer Spielerinnen. Ich kann mir vorstellen, dass wenn man sich mit ein paar Freunden entscheidet die App runterzuladen, das ganze wirklich viel Spaß machen kann. Auch hier sind die ersten Skizzen vielversprechend. (https://devpost.com/software/1_046_c_gamififcation_home_adventure#updates)

Schon fast ausprobierbar ist die App des Projekts „Wesolate“. Auch hier ist die Motivation die Zeit zu Hause möglichst wenig einsam zu gestalten. Das ganze funktioniert aber in diesem Fall nicht über challenges, sondern eine Pool aus Events (dem Livestream eines Fitnessyoutubers z.B.), an denen der User Interesse zeigen kann. Er kann verschiedene Events in seinen Tagesablauf einplanen und erhält gleichzeitig umso länger er in der Isolation bleibt Isolationspunkte mit denen neue Features freigeschaltet werden kann. Ein bisschen weniger spielerisch als HomeAdventure und sicherlich davon abhängig, wieviel Menschen etwas zu dem Eventpool beitragen – sonst wird das ganze wohl recht langweilig. Vom Look und der Konzeptionierung scheint das Projekt aber schon ganz schön ausgereift.

Die letzte App, die hier vorgestellt werden soll nennt sich ganz zeitbewusst -keine Macht den Vokalen- DSTNC (https://derndominik.wixsite.com/dstnc). Wie bei HomeAdventure gibt es auch hier Challenges, die in diesem Fall immer ein Spieler einem anderen stellt. Der kann dann tindermäßig nach rechts oder links wischen, je nachdem ob er annehmen will oder nicht. Wer eine Challenges schafft (sein Gegner kontrolliert) erhält dafür eine Vergütung und steigt, wenn er genug von der Spielwährung gesammelt hat, ein Level auf. Im ersten Prototypen ist neben Aufgaben wie „meditiere 15 Minuten“ auch vorgesehen, dass man Hilfebedarfe angegeben werden können, die dann wiederum ein anderer Mitspieler als Challenge erledigen kann. So wird der Einkauf für einen hilfsbedürftigen Menschen im gleichen Ort zu einer Challenge, für die der Spieler mit Coins entlohnt wird.

Nachbarschafthilfe materialisieren – Jodas Entdeckung unter den Projekten

Joda hat macht sich gerade viele Gedanken über die Menschen, die nicht so internetaffin sind oder vielleicht gar keinen Internetanschluss haben. Ein großer Teil des gesellschaftlichen Lebens hat sich in den Digitalen Raum verschoben und die Koordination von (Nachbarschafts)-Hilfen bedient sich vor allem diesen Medien. So ist die Idee, die das Team von “It’s help” entworfen hat einfach und genial: Ein Poster das man je nach Verwendungszweck: “Ich biete Hilfe/Ich benötige Hilfe” entsprechend gedreht gut sichtbar an sein Fenster hängen kann. Alternativ gibt es auch kleinere Poster die man an seinen Briefkasten hängen kann. Schön ist zudem, dass das Team weitere Nachbarschaftshilfeinitiativen auf seiner Homepage auflistet.

Krankenhaus meets Volunteers – Alis Lieblingsprojekt

Ali fand das Projekt VolunteerVsVirus spannend. Da die Corona-Krise das Gesundheitssystem in erheblichem Maße belasten wird, haben sich die Macher*innen von VolunteerVsVirus Gedanken darüber gemacht, wie man Krankenhäuser und Freiwillige, die ehrenamtlich mithelfen wollen, zusammenbringen könnte. Dafür wollen sie eine digitale Plattform entwickeln, auf der das Suchen und Finden von Voluntären einfach und benutzerfreundlich gestaltet wird. Weil Ali selbst nebenberuflich im Krankenhaus arbeitet, weiß er, wie wichtig und wertgeschätzt Hilfskräfte im Gesundheitswesen sind. Sie können dem ausgebildeten medizinischen und pflegerischen Personal den Rücken freihalten und einfache Aufgaben, wie etwa das Auffüllen von Schränken oder die Betreuung von Patient*innen übernehmen. Jedoch: Dass es ein Projekt wie VolunteerVsVirus überhaupt braucht, zeigt, wie groß der Mangel an Helfer*innen im Gesundheitssystem ist. Und: In den allerwenigsten Fällen wird es wohl für die Freiwilligen, die sich über die neugegründete Plattform finden, eine finanzielle Entschädigung geben. Nicht nur, um in Zukunft besser auf gesundheitliche Krisen besser vorbereitet zu sein, ist eine faire Entlohnung für alle, die im Gesundheitswesen arbeiten, dringend vonnöten. In der akuten Krisenzeit ist das Zurückgreifen auf freiwillige Helfer*innen sicher ein wichtiger Baustein und sollte in einer solidarischen Gesellschaft selbstverständlich sein. Eine Dauerlösung kann und darf das aber nicht werden.

Unglaublicher Andrang und konstruktive solidarische Stimmung

Was auf der Pressekonferenz Sonntagmittag mehrfach von den Organisator:innen betont wurde, war der immense Ansturm an Anmeldungen, der nicht nur sie sodern auch die technischen Systeme ziemlich überwältigt hat (Slack ging angesichts von 35.000 Nutzer:innen in die Knie). Beeindruckend soll vor allem auch der Umgang in den Teams untereinander und mit den Organisator:innen gewesen sein. Einige Stimmen wünschten sich für ihr sonstiges Arbeitsleben eine so intensive Kooperation, Kollaboration und Kreativität. Dass es nur wenig Hate-Speech-Vorkommnisse gab und in solchen Situation gleich Menschen da waren, die positiv dagegen gehalten haben, ist vielleicht auch dem “Code of Conduct” zu verdanken. Vielleicht wäre das ja ein Impuls für ganz andere Bereiche sich einen solchen “Hack Code of Conduct” zu geben.

Hier gehts zum Video der Abschlussparty: